SIDEBAR
»
S
I
D
E
B
A
R
«
Verschlafen wir die erneut aufkommende Pogromstimmung?
November 12th, 2013 by Rassismus tötet! Göttingen

Mit unserer bundesweiten Kampagne „Rassismus Tötet! durch Pogrome –
Asylgesetz – Abschiebung -Geistige Brandstiftung“ haben wir versucht, den
Opfern rassistischer Gewalt zu gedenken und den hiesigen rassistischen
Diskurs zu beeinflussen. Auf dass eine erneute Pogromstimmung wie in den
neunziger Jahren nicht noch einmal in den Medien und Köpfen entbrennt.
Doch gerade als wir unsere zweijährige Kampagne für beendet erklären
wollten, bewies die deutsche Mehrheitsgesellschaft, dass sie scheinbar
doch aus der Vergangenheit gelernt hat: Der Protest gegen die
Asylbewerber_Innen hat schon damals insofern Früchte getragen, als dass er
vielen Politiker_Innen als hinreichende Legitimation gedient hat, das
Grundrecht auf Asyl abzuschaffen.
In vielen großen Städten sowie kleinen Orten in Deutschland wird seit
Anfang des Jahres erneut der „Protest“ gegen geplante oder bereits
bestehende Asylbewerber_Innenunterkünfte laut. Als Beispiel sind hier nur
Berlin Hellersdorf, Duisburg, Leipzig, Greiz oder Schneeberg zu nennen.
Organisierte Neonazis waren in vielen Fällen Initiator_Innen der
volksverhetzenden Aufmärsche. Die Ressentiments der „Protestierenden“ sind
dabei die gleichen geblieben wie die der Volksmobs der neunziger Jahre.
Seit Anfang des Jahres wurden mindestens 23 Brandanschläge auf
Asylbewerber_Innenunterkünfte, teils mit Verletzten, verübt. Man sollte
annehmen, dass die Linke aus dem eigenen Versagen in den 90er Jahren
Schlüsse gezogen hätte und nun auf diese erstarkende lebensbedrohliche
Situation für Migrant_innen reagiert. Doch davon sehen wir nicht viel.

Wir fragen uns wie es sein kann, dass in Zeiten, in denen unserer Meinung
nach Solidarität zeigen und direkte Aktionen an der Tagesordnung sein
müssten, immer noch nicht die Notwendigkeit gesehen wird sich an einem
Samstagmorgen nach Friedland (MV), Greiz oder eben Duisburg zu bewegen.
Wir fragen uns, ob uns vorgeworfen werden könnte die Lage über zu bewerten
oder zu dramatisieren? Ob das nötige Bewusstsein, jetzt Handeln zu müssen,
fehlt. Ob unsere Mobilisierung nach Duisburg zu wenig Eventcharakter
verspricht, oder ob das einfach nicht in die Wochenendplanung vieler
passt. Wir verstehen, dass es stressig und anstrengend sein kann, zwei
Wochenenden hintereinander auf Demos zu fahren. Doch auch für uns ist es
stressig, ermüdend und frustrierend ständig die nötigen finanziellen
Mitteln zu beschaffen und dann vor einem leeren Bus zu stehen.

Anfangs wurde der Göttinger Ableger von Rassismus Tötet! Noch von vielen
Gruppen mitgetragen. Wie das immer so ist haben sich nach und nach die
Gruppen aus vielfältigen Gründen aus dem Bündnis zurückgezogen.
Unterschiedliche Prioritäten oder Kapazitätenmangel können sicher als
einige der Gründe genannt werden. Aber angesichts der bedrohlichen
Stimmung ist es vielleicht an der Zeit die eigenen Prioritäten oder die
eigene Ausrichtung zu überdenken. Nicht nur lokal sollte sich
zusammengesetzt werden um adäquate Konzepte, Notfallpläne, vielleicht
einfach ein gemeinsames Vorgehen zu erarbeiten. Auch die großen
bundesweiten Bündnisse sollten beginnen auf aktuelle Ereignisse zu
reagieren und ihr Mobilisierungspotential, falls vorhanden, ausschöpfen.

Lasst uns gemeinsam diese Schockstarre überwinden und in die Offensive gehen. Gegen organisierte Nazis, die neue Rechte und den deutschen Volksmob.

Rassismus Tötet! Göttingen


Leave a Reply

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
SIDEBAR
»
S
I
D
E
B
A
R
«
»  Host:Blogsport   »  Code:WordPress   »  Style:Ahren Ahimsa